Die verlorene Mitte – warum ich mich wieder eingemischt habe
Als ich mich 2022 entschlossen habe, mich wieder politisch einzubringen, waren für mich zunächst zwei Themen entscheidend: Natur- und Umweltschutz und Altersgerechtigkeit.
Doch mit der Zeit wurde mir immer deutlicher, dass dahinter eine viel größere Frage steht: Was hält unsere Gesellschaft eigentlich noch zusammen?
Ich nannte es für mich den Verlust unserer gesellschaftlichen Mitte.

Was meine ich mit dieser Mitte?
Nicht die politische Mitte zwischen links und rechts.
Ich meine den Raum, in dem Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, Lebensgeschichten und Erfahrungen noch miteinander reden können. Eine Gesellschaft, in der wir streiten können, ohne uns gegenseitig auszugrenzen.
Diese Mitte scheint kleiner zu werden. Wir reden häufiger übereinander als miteinander. Gleichzeitig ziehen sich Menschen zurück, weil sie das Gefühl haben, ohnehin nicht gehört zu werden.
Was hat das mit dem demografischen Wandel zu tun?
Sehr viel.
Wenn Ärzte fehlen, Busverbindungen verschwinden, Begegnungsorte schließen oder junge Menschen ihre Heimat verlassen, geht es nicht nur um ältere Menschen.
Es geht um die Zukunft unserer Städte und Gemeinden und um die Lebensbedingungen aller Generationen.
Deshalb bedeutet Altersgerechtigkeit für mich heute immer auch Generationengerechtigkeit.
Was fehlt unserer Demokratie?
Vor allem dauerhafte Ansprechbarkeit.
Gerade in Wahlkampfzeiten sind viele Menschen unterwegs, hängen Plakate, stehen an Infoständen und suchen das Gespräch.
Aber Demokratie darf nicht wenige Wochen vor einer Wahl beginnen und am Wahlabend wieder enden.
Wir müssen auch zwischen den Wahlen dort sein, wo Menschen leben. Wir müssen zuhören, bevor wir Antworten geben.
Was möchte ich erreichen?
Für mich gehören heute viele Themen zusammen:
- Demografie und Generationengerechtigkeit
- Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe
- Natur- und Umweltschutz
- lebenswerte Städte und Gemeinden
- gesellschaftlicher Zusammenhalt
Dabei geht es mir nicht darum, immer neue Gräben zu beschreiben.
Es geht darum, wieder Brücken zu bauen.
- Zwischen Jung und Alt.
- Zwischen Stadt und Land.
- Zwischen unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten und politischen Auffassungen.
Vielleicht ist genau das die Aufgabe, die vor uns liegt:
eine neue gesellschaftliche Mitte entstehen zu lassen, in der Menschen wieder erfahren: Ich werde gehört. Ich kann mich einbringen. Ich gehöre dazu.
Dafür habe ich mich 2022 wieder eingemischt. Und dafür werde ich mich weiter einmischen.
Harry Hensler
Sprecher der LAG55plus Sachsen
Sprecher der AG55plus Leipzig
Sprecher & Entwickler CLEANUP Leipzig
Sprecher für Demografie, Demokratie und gesellschaftliche Entwicklung
Projektkoordinator „Altersfreundliche Stadt Leipzig“
